Donnerstag, 26. März 2009

Endlich ist er da: Der Abschlussbericht

Lange hat es gedauert, aber jetzt hab ich mal so ein bisschen was niedergeschrieben. Viel Spaß beim Lesen :-)

Ich habe es gemacht. Ich, nicht jemand für mich, sondern ich. So richtig bewusst ist mir das erst jetzt geworden.

Der Wunsch nach Neuseeland zu gehen entstand zum ersten Mal nachdem ich Herr der Ringe gesehen habe. Diese Landschaft, diese Diversität und das alles auf so kleinem Raum – wow. Ich wollte mehr erfahren. Aber wie erfährt man mehr über ein Land? Tausende Reiseführer kaufen und angucken, Bildbände durch wälzen und dann doch nur merken, dass die Fotos an besonders schönen Tagen geschossen wurden, retuschiert wurden und und und. So lernt man doch kein Land kennen.

Also war klar, dass ich direkt hinreisen müsste. Das English-Department an der PH verlangt von uns Englischstudenten, dass wir mindestens 3 Monate „abroad“ waren. Für mich stand nun also die Frage im Raum: Wo will ich hin? Groß Britannien? Nein, zu nah. Amerika? War ich schon zweimal, für ein halbes Jahr wollte ich da auch nicht hin. Australien? Hm…nein, riesen Kontinent, in der Mitte nur outback. Also musste es Neuseeland sein.

So richtig wurde mir das ganze aber auch erst jetzt bewusst, das, was ich da gemacht habe und wie ich überhaupt da hingekommen bin. Im Januar 2008 begann die Planung, ich habe mich informiert, habe meine Bewerbung abgeschickt (wobei wohl von vornherein klar war, dass man genommen wird – sofern man zahlungsfähig ist) und dann, als ich wusste, dass ich genommen (*hust*) bin, meinen Flug gebucht. Die Zeit verging, aus 100 Tagen bis zum Abflug wurden 50, aus den 50 10 und plötzlich trennten mich nur noch wenige Stunden von 30 Stunden Luft und Aufenthalt in London und LA, bevor ich in Neuseeland ankommen würde.

Wider Erwarten habe ich bei meiner Abschiedsparty keine einzige Träne vergossen. Zwar gab es eins, zwei Momente, in denen mir die Tränen in den Augen standen, doch so richtig hat's da keinen Schalter umgelegt an dem Tag. Das kam erst am Tag der Abreise. Ich war schon die ganze Zeit vor dem Abflug (mindestens einen ganzen Monat, wenn nicht sogar zwei) nicht mehr ganz auf der Höhe – ich hatte zu vielen Dingen keine Lust, habe mich ausgepowert gefühlt…und wollte einfach gar nichts. Wohl meine ganz eigene Art des Drauf-Vorbereitens.

Am Flughafen passierte es dann – meine Eltern, mein Bruder und ich liefen zur ersten Kontrolle, dort, wo sich unsere Wege trennen würden. Wir liefen und ganz plötzlich schossen mir geschätzte 500 Hektoliter Tränen in die Augen, ich habe mich nur nach hinten umgedreht und bin meiner Mutter in die Arme gefallen. Nach einigen vielen Tränen allerseits habe ich mich dann wohl oder übel losgeeist und bin zu den netten Damen gegangen, habe 3 mal tief durchgeatmet, nicht nach hinten geschaut und mich auf den Flug gefreut.

Dieser verging auch ganz gut, ich lernte eine nette Österreicherin kennen, wir unterhielten uns und so war’s dann nicht ganz so schlimm – außer der Flug von LA nach Auckland … ich saß hinter einem Basketballspieler, der ungefähr 3 Meter groß gewesen sein muss. Auf jeden Fall war der Herr so nett, seinen Stuhl nochmal um ein paar cm weiter nach hinten zu lehnen, sodass ich noch weniger Platz hatte als ich sowieso maximal hätte haben können. Äh ja. Nun gut, dies galt es zu überstehen.
Um 5.30 Ortszeit kam ich pünktlich in Auckland an. Nachdem ich mein Gepäck hatte, musste ich noch kurz durch eine Kontrolle, wo die guten Kerle wissen wollten, ob ich meine Wanderschuhe, die ich dabei hatte, denn auch schon richtig benutzt hätte. Hatten wohl Angst, dass ich denen irgendwas einschleppe. Ich hab sie zum Glück immer nur auf der Straße oder auf Feldwegen benutzt – keine Gefahr!

Was für mich die ersten Tage wirklich schwer war, war zu lernen, dass ich auch manchmal einfach warten muss. Ich kam hin, hatte immerhin schon mein richtiges Zimmer, aber mehr auch nicht – kein Internet, kein Handy, riesen Jetlag. Aber was will man auch erwarten? Ich kam an einem Samstag um 5.30 Uhr morgens an! Zum Glück half mir Bina, eine von den Residential Assistants, bei dem ganzen Sums, sprich Einschreiben, zum international office zu gehen und vor allem Internet zu bekommen! Zwar dauerte das auch nochmal ein bisschen, bis ich es dann endlich hatte (mein eigenes W-LAN in meinem Zimmer), aber bis dahin kam ich ganz gut damit zurecht, dass ich über die Unirechner online gehen konnte. Ist wirklich krass, wie abhängig ich davon geworden bin.
Nicht online zu gehen = Nicht in Kontakt treten.
Wobei für mich das online Gehen sehr wichtig war, da ich via Skype mit Deutschland telefonieren konnte – für 3€ im Monat! Außerdem natürlich, damit ich sofort allen über meinen Blog mitteilen konnte, wenn es was Neues gab. Sein es Bilder, Videos oder einfach nur Text – ich wollte euch ja teilhaben lassen an meinem Leben bei den Kiwis!

Was in den folgenden Monaten passierte, das habt ihr ja größtenteils bildschirmnah miterleben können. Ich habe wie ein Weltmeister gebloggt, immer schön Bilder hochgeladen und Videos gemacht. Das war sowohl für euch als auch für mich gut. Denn dadurch hatte ich das Gefühl, nicht ganz so weit weg zu sein. Ihr konntet euch meine Videos angucken, saht den Tim, wie ihr ihn kennt. Durch eure ganzen Postkarten war’s nochmal schöner. Ich hab mich bei jeder einzelnen Karte gefreut wie ein Schneekönig! Zwar haben manche etwas länger gebraucht, bis sie ankamen, doch wenn sie dann da waren, war die Freude umso größer.

Es wird ziemlich viel über NZ gesagt, es sei ein schönes Land mit einer wunderschönen Landschaft. Das stimmt auch wirklich. Sommer, Winter, saftige grüne Wiesen und Gletscher können nirgendwo sonst so nah bei einander sein.
Was mir jedoch etwas missfiel war die „Kommerzialisierung“ Neuseelands. Du kommst irgendwo hin, denkst dir, du siehst Natur, aber was ist bei den „main-spots“? Ein Lookout-Point, dass du ganz nah mit dem Auto dran fahren kannst, kurz aussteigen, Foto machen und wieder einsteigen kannst, du musst kaum mehr laufen. Natürlich haben wir auch viele dieser Lookout-Points genutzt, das möchte ich keinesfalls bestreiten. So sind wir doch mittlerweile eigentlich alle! Das, was wir serviert bekommen, nehmen wir natürlich gerne.
So gab es auch den ein oder anderen Tag, an dem wir uns ärgerten, dass wir kein Handynetz hatten – und das, wo wir doch in einem Nationalpark waren! Tja, schon der helle Wahnsinn, wie abhängig man sich von so Manchem machen lässt. Natürlich war es nicht der blanke Horror für uns, hatten wir mal keinen Empfang, wir haben es auch oft einfach aus Spaß gesagt, aber irgendwo pfeift doch aus den Scherzen manchmal auch die Wahrheit ;-).

Die Souvenirshops waren leider auch oft recht gleich. Es war also oft so, dass du überall gleiche Postkarten bekamst (von den wichtigsten Spots Neuseelands nun mal), z.B. in Invercargill (südliche Stadt auf der Südinsel) Karten von Auckland etc. . Klar, irgendwo voll gut für die, die nicht nach oben kommen, aber naja…Ihr versteht schon, was ich meine.

Je näher das Ende meines Aufenthaltes rückte, desto mehr Heimweh bekam ich. Ich freute mich auf das gute deutsche Essen, auf deutsches Brot (!!!!!), vor allem aber auf Familie und Freunde. Damit kam aber auch gleichzeitig eine leicht negative Einstellung gegenüber Neuseeland bzw. dem, was ich dort erlebt habe. Ich wollte einfach nur noch weg, wollte zu dem, was mir bekannt war, weg von dem Unbekannten – irgendwo auch etwas feige. Aber ich denke, dass es vielen so geht, dass sie sich nach einem längeren Auslandsaufenthalt auch nach dem eigenen Heim sehnen, auf das Gewohnte freuen.

Es hat bei mir wirklich geschlagene zwei Monate gedauert, bis ich erst mal verstanden habe, was ich da eigentlich von Juli bis Dezember 2008 gemacht habe. Ich war so weit weg. In Neuseeland, man!!! Verdammt weit weg!!!!! Alleine, ohne Freunde!
Doch Freunde habe ich da schnell gefunden, zum Glück! Am Anfang dachte ich noch „Oh mein Gott, was machst du nur, wenn du niemanden findest und die ganzen fünf Monate ein Einzelgängerdasein pflegen musst?“, doch besonders dank Padi, Anke und Karo wurden es wunderschöne fünf Monate.
Ein ganz besonderer Dank geht an dieser Stelle nochmal raus an Padi. Wir haben es immer mal nicht ganz leicht miteinander gehabt, doch waren wir immer für einander da, schon nach kurzer Zeit hatte ich das Gefühl, Padi schon länger zu kennen. Wir vertrauten uns vieles an, trösteten uns, wenn es was zu trösten gab oder lästerten einfach mal nur über unsere Mitbewohner :D
Ganz besonders süß fand ich die Aktion von Padi und Anke, als meine Beziehung beendet war und mir die beiden ein „Beziehungsende-Survival-Package“ schenkten. Danke nochmal.

Ich habe in diesem halben Jahr wirklich sehr viel für mich und über mich gelernt. Ich bin gewachsen, sehe Dinge klarer und realistischer, bin vielleicht nicht mehr ganz so schüchtern wenn es um Unbekanntes geht (ja, auch wenn ihr es nicht glaubt, aber auch der Tim ist schüchtern!!) und ich kann vor allem von mir sagen „Ich hab es getan!“ Ich bin vielleicht auch etwas selbstständiger geworden, in dem Sinne dass ich auch mal meine Meinung laut ausspreche anstatt sie für mich zu behalten, also quasi „öffentlich Stunk zu machen“.
Das ist gut, denn das war so langsam mal nötig.
Nach Neuseeland will ich auf jeden Fall nochmal. Am besten für eine längere Zeit (zwei Monate?) mit Motorrad, Frau und Freunden und dann Nord- und Südinsel nochmal abfahren. Geil.

Mittlerweile gehören Auslandsaufenthalte zum Studium ja schon fast dazu wie das Erstsemesterwochenende, aber trotzdem muss man sich immer vor Augen halten, was man da eigentlich gemacht, erreicht und gewonnen hat.


Ich bin stolz auf mich.

1 Kommentare:

Amin hat gesagt…

nicht schlecht